Samstag morgen.
Zeitungen und Radio-Journale sind voll von Berichten über die isländische Vulkanasche und hunderttausende gestrandete Fluggäste in Europa. Ich nutze den sonnigen Frühlingsmorgen für eine Tour in der Orther Au:
Überall das junge Grün, Sträucher und Bäume blühen - zart und strahlend weiß wie die Schlehe oder unspektakulär wie die Eichen, die bei der Bestäubung dem Frühlingswind vertrauen und nicht auf optische Reize angewiesen sind.
Der Wald ist voll von Vogelstimmen und dem Trommeln der Spechte. Die Laubfrösche, die in den letzten Regentagen schon zu hören waren sind heute still. Der Baumstamm, auf dem sich immer die Schildkröten sonnen, ist noch leer. Der Morgen ist noch zu kalt. Aber zu Mittag werden sie sicher zu sehen sein, wenn sie nicht von zu vielen Spaziergängern immer wieder ins Wasser zurück gescheucht werden.
Dafür gleitet der Habicht durch den Wald, er hat nicht weit von hier seinen Horst. Er zeigt sich ausgerechnet auf einer der Waldschneisen, die früher für die Jagd und Forstwirtschaft angelegt wurden und jetzt im Nationalpark eigentlich zuwachsen sollten…
Es ist ein Morgen in der Au wie immer schon um diese Jahreszeit. Doch heute ist etwas anders, besonders. Anfangs fällt es gar nicht auf, denn es ist eigentlich etwas ganz Selbstverständliches. Der Gesang der Vögel und alle anderen Waldgeräusche erfüllen die Luft – und sonst ………..sonst nichts.
Kein Flugzeug, das immer wieder die Naturgeräusche unterbricht und übertönt. Nicht so laut, das man sein eigenes Wort nicht mehr verstehen würde, aber laut genug, um einen immer wieder daran zu erinnern, wo man eigentlich ist.
Ganz in der Nähe einer dynamischen Großstadt, die zumindest in punkto Fluglärm gar nicht mehr anders sein will als andere dynamische Großstädte. Der Flughafen Schwechat ist seit gestern Abend gesperrt. Das ist der Tag, denke ich, an dem man in die Untere Lobau gehen müsste!
Später, beim Einkaufen im Ort, stoße ich auf die Wahlplakate für den nächsten Sonntag: „Unser Handeln braucht Werte“.
Ein ungestörter Frühlingsmorgen, nur erfüllt von den Geräuschen des Waldes – ist das ein „Wert“? Jedenfalls keiner, der unser Handeln bestimmt - und auch nicht unsere Gesetze. Es braucht einen richtigen Vulkanausbruch und Tausende, die in ihren Plänen empfindlich gestört werden, damit wir einen ungestörten Frühlingsmorgen in der Au erleben können.
Dumm ist nur, wenn auch die Werte, die tatsächlich das Handeln bestimmen, ins Minus kommen, so wie bei unserer nationalen Airline. Wenn, ganz ohne Vulkanausbruch, in kurzer Zeit Werte verloren gehen, mit denen man den Nationalpark Donau-Auen Jahrhunderte lang finanzieren könnte….
Carl Manzano